Fast 25 Jahre lang dachte ich, die Kunst hätte keinen Platz mehr in meinem Leben.
Nicht, weil sie mir nichts mehr bedeutete. Im Gegenteil. Früher habe ich gemalt, ausgestellt und viele Stunden damit verbracht, in Farben, Formen und Ideen einzutauchen. Doch irgendwann bestimmten Beruf, Alltag und Verpflichtungen meinen Rhythmus. Für die Kunst blieb immer weniger Raum. Dass sie fehlte, spürte ich lange Zeit nur als leises Ziehen irgendwo im Hintergrund.
Während der Coronazeit begann ich, mit dem Smartphone zu fotografieren. Eigentlich aus einem ganz praktischen Grund: Ich wollte Instagram für meinen Beruf kennenlernen. Doch dabei passierte etwas Unerwartetes. Mit jedem Bild kam ein Stück von dem zurück, was ich so lange vermisst hatte – die Freude am kreativen Arbeiten, die Neugier und das Staunen.
2022 kaufte ich meine erste Kamera.
Seitdem begleitet sie mich auf meinen Wegen durch Städte, Landschaften, Industrieareale, Parks und Kulturorte. Ich fotografiere Menschen, Architektur, Natur, Licht und Bewegung. Immer auf der Suche nach dem, was sich nicht in Fakten oder Dokumentation übersetzen lässt: Atmosphäre, Emotion und Gefühl.
Ich fotografiere heute so, wie ich früher gemalt habe.
Die Kamera ist mein Pinsel geworden.
Mich interessiert weniger, wie ein Ort aussieht, als wie er sich anfühlt. Deshalb arbeite ich in meiner experimentellen Fotografie mit bewusster Kamerabewegung (ICM - Intentional Camera Movement), Doppelbelichtungen oder Materialien vor der Linse. So entstehen Bilder, die sich zwischen Fotografie und Malerei bewegen. Bilder, die nicht alles erklären und nicht jede Frage beantworten.
Ich lebe und arbeite in Gelsenkirchen. Besonders verbunden fühle ich mich mit dem Ruhrgebiet und seiner Industriekultur. Es ist meine Heimat und eine unerschöpfliche Inspirationsquelle. Viele sehen Fördertürme, Industrieanlagen oder urbane Räume. Ich sehe Geschichten, Farben, Wandel und Schönheit. Durch die Fotografie habe ich gelernt, genauer hinzusehen. Und je genauer ich hinschaue, desto mehr entdecke ich.
Fotografieren bedeutet für mich, ein- und abzutauchen. Mich treiben zu lassen, zu experimentieren und offen zu bleiben für das Unerwartete. Oft weiß ich nicht genau, was entstehen wird. Und genau darin liegt ein Teil des Zaubers.
Durch die Fotografie habe ich nicht nur die Kunst wiedergefunden, sondern auch eine neue Art, die Welt zu sehen. Schön, dass du mich auf diesem Weg begleitest.